Interview Anne Claire Schroeder-Rose

Die Künstlerin Anne Claire Schroeder-Rose ist eine Newcomerin in der Kunstszene. Nach wenigen Jahren hat sie bereits ein erstaunliches Werk geschaffen, das in der Kunstszene viel Echo findet und Laien – wie mich – und Fachleute gleichermaßen positiv beeindruckt. Ihr Sujet ist meist der Mensch, ihr Stil ein expressionistischer Realismus, die Bilder knallen mit Farbe, strahlen voller Ausdruck und wirken direkt, provokant und klar.

Der emotionale Ausdruck der Gemälde ist wirkungsvoll, ihre Figuren sind starke Charaktere, die den Betrachter voll ins Auge fassen und ins Bild involvieren. Dabei setzt die Künstlerin auf Farbwirkungen und einen deutlichen Strich, der betont und verstärkt, was ihr wichtig ist, und ausfasern und verwischen lässt, was im Bild keine Rolle spielen soll.
Die Bilder machen Spaß, weil sie ausgesprochen deutlich wirken: diese Kunst versteckt nichts und deutet nichts an.

Eines der wichtigeren Zitate Nietzsches über die Kunst war, dass man sein Wasser nicht trüben solle, um es tief scheinen zu lassen. Genau das scheint auch das Motto von Anne Claire Schroeder-Rose (ja, mit „oe“!!)
zu sein: ihre Bilder sprechen deutlich und wären, in Nietzsches Metapher, glasklares Wasser. Der Grund ist das Dargestellte. Solche Kunst, scheint mir, ist gerade in unserer Zeit der Verschwurbelung und
des Sich-Verbiegens ausgesprochen wohltuend. Ich wollte mehr drüber wissen und stelle hier deshalb ein paar Fragen an die Künstlerin. Fürs Interview im Internet darf ich „Du“ sagen 🙂

 

Anne Claire Schroeder-Rose
Keine Konvention, lieber Kontraste: die Künstlerin Anne Claire Schroeder-Rose

1) Du bist unheimlich produktiv. Inzwischen gibt es weit über hundert Werke von Dir, das ist enorm für die kurze Zeit, seit der Du Dich als Künstlerin betätigst. Wie machst Du das?

Die Malerei ist für mich das lang gesuchte Ventil, um all meine Erfahrungen, Emotionen und Geschichten erzählen zu können, die seit Jahrzehnten in mir schlummern. Während meiner Schaffensphasen arbeite ich wie im Fieber und bin nicht zu stoppen. Ich gönne mir kaum Pausen und ruhe nicht bis die Geschichten malerisch fertig erzählt sind.

2) Du hast mit der „richtigen“ Malerei, also damit, ernsthaft Werke zu kreieren und sie auszustellen, vergleichsweise spät begonnen. Was war der Anlass, wie kam es dazu?

Ich wurde in dem Glauben erzogen, dass das Talent auf verschiedene Kinder verteilt ist, mehrere Talente waren nicht vorstellbar. Daher wurde mir der musikalische Teil zugeschrieben. Ich habe immer gemalt, jedoch nicht regelmäig. Ein Bild, das ich vor einigen Jahren sah, sprach diesen schlummernden Teil in mir an. Seitdem habe ich nicht mehr aufgehört zu malen und habe mir kaum Ruhe gegönnt. Es gibt kaum ein größeres Glück für mich, als die Charaktere auf Leinwände entstehen zu sehen und mit ihnen zu kommunizieren.

3) Warum malst Du vorwiegend Portraits?
Ich liebe Gesichter, die wie Landschaften auf mich wirken. Außerdem sind es die Menschen, die in mir die größten Emotionen wecken. Rückblickend betrachtet lief alles auf Portraits hinaus.

4) Du bist beruflich in einem ganz andern Bereich sehr erfolgreich. Wird Dir das manchmal vorgehalten? Behindert das das „Ernstgenommen-Werden“ als Künstlerin?
Bisher habe ich nicht die Erfahrung gemacht mit meiner Kunst nicht ernst genommen zu werden. Dennoch starte ich natürlich als eine von Vielen und studierte Künstler grenzen sich verständlicherweise ab. Ich lerne jeden Tag in Punkto Technik dazu, besuche immer wieder Kurse bei bekannten Künstlern und male viel. Der Umstand sein Geld hauptberuflich anders zu verdienen begleitet viele studierte Künstler ebenso wie sog. Hobbykünstler. Ich habe mein Leben bisher auf einem konservativen Weg aufgebaut. Letztlich beziehe meine Energie und wichtige Impulse aus meiner hauptberuflichen Tätigkeit, die mir die Kraft für die Malerei gibt. Ich reise viel und weltweit. Dabei treffe ich auf Menschen unterschiedlicher Kulturkreise, die mich zu meinen Portraits inspirieren.

5) Woher kannst Du das eigentlich alles? Mir könnte man die Farben und Leinwand in die Hand geben, da käme in 1000 Jahren nix Vergleichbares raus. Hattest Du ne Ausbildung?
Ich besuche seit Jahren Kunstakademien und es vergeht kaum ein Wochenende und Urlaub ohne dass ich male.


6) Wer sind Deine künstlerischen Einflüsse, Vorbilder, Leitfiguren?
Ich bin als Kind und Jugendliche stark kunstgeschichtlich geprägt worden. Mir persönlich gefielen besonders die Portraits von Franz Hals, Rembrandt und Dürer, die Figuren von Otto Dix und Horst Janssen. Meine Eltern hatten einen Kunsthandel für orientalische Flachgewebe u.a. Ich verbrachte meine Schulferien auf Kunstmessen, in Museen und Kirchen.

7) Was sind Deine Hauptwerkzeuge und -techniken?
Früher liebte ich die Ölfarben wegen ihrer Strahlkraft. Meine Portraits sind jedoch vorwiegend Acryl Farben basiert. Das hat den Vorteil problemlos schnell viele Farbschichten übereinander legen zu können. Ich arbeite aber auch viel mit Pastellkreiden und Kohle.

8) …die ewige „was-soll-das-Frage“. Was möchtest Du mit Deinen Bildernerreic hen? Welche Reaktion wünschst Du Dir vom Publikum?
Viele Menschen trauen sich nicht ihre Emotionen direkt zu zeigen aus Angst davor anzuecken oder verletzt zu werden. Meine Figuren schmollen, ärgern sich, strecken die Zunge aus, grüßen, machen Unsinn, streiten mit dem Betrachter und zeigen sich. Sie ermuntern den Betrachter mehr von sich zu zeigen. Die Auseinandersetzung des Betrachters mit sich selbst und dem dargestellten Charakter finde ich klasse. Das ist mein Ziel.

9) Wo siehst Du Dich in fünf, wo in zehn Jahren? Kannst Du Dir vorstellen, aus der Kunst einen Beruf zu machen?
Ja ich kann mir sehr gut mich hauptberuflich der Kunst zu widmen. Bis in spätestens 10 Jahren möchte ich international vertreten und bekannt sein. Ich erwarte jedoch auch die adäquate Honorierung meiner Ideen und meiner Arbeiten.

Leider müssen viele Künstler und Künstlerinnen sehr viel Idealismus und Bescheidenheit haben, um zu überleben.

10) Was sagt Dein Umfeld zu Deiner Mal-Begeisterung? Gab das Probleme, wurde es thematisiert?
Die Einen teilen die Leidenschaft, die anderen können nichts damit anfangen. Es bedurfte einer Anlaufzeit, um ernst genommen zu werden, aber das ist jetzt erreicht.


11) Welches künstlerische Betätigungsfeld, das Du noch NICHT beackert hast, würde Dich reizen?
Ich besuche nächstes Jahr einen Kurs von Elvira Bach, auf den ich mich sehr freue. Mich reizt es, Impulse von den Großen dieser Zeit zu erhalten. Dabei geht es weiterhin um figurative Malerei.

12) Viele Menschen haben Deine Bilder angeschaut, in etlichen Ausstellungen. Können Deine Fans Dich eigentlich irgendwie unterstützen? Wünschst Du Dir mehr Feedback, mehr positive Erwähnung, irgendwas in der Art vom Publikum?
Ich freue mich über jede Unterstützung und jeden Dialog zu meinen Bildern und kann nur ermuntern mir zu schreiben. Wer sich erfreut eines meiner Bilder erworben zu haben, kann ich nur ermuntern darüber zu erzählen analog und digital.

 

13) – Suggestiv-Frage 🙂 Schon mal drüber nachgedacht, ein Buch zu illustrieren? Könnt ich mir total gut vorstellen, weil Du Charaktere so gut zeigen kannst.
Das wäre mit Sicherheit ein spannendes Thema.

14) Nochmal zum Beruf: ist die Malerei ne hilfreiche Entspannung, oder
beisst sich die Kunst mit Deinem Beruf?
Die Malerei hat mir tiefste Emotionen vom höchstes Glück und tiefstes Unglück beschert, die ich vorher nicht kannte. Loszulassen ist dabei von entscheidender Bedeutung. Nein mein Beruf beißt sich nicht mit der Kunst. In meinem Beruf ist Rationalität, Sachlichkeit, Struktur, Klarheit usw. ein wichtiges Thema. Die Kunst bedient all die Seiten, die im Beruf wenig abgefragt werden.

15) Deine Bilder wirken stark, heiter, positiv, kraftvoll. Gibt das Deine Lebenssituation wieder oder Deine Persönlichkeit? Will sagen, sehen wir da Dein Leben oder Deine Seele?
Es gibt viele Bilder, in denen meine Charaktere motzen, gelangweilt, oder unzufrieden sind, kritisch u.a. Aber allen gemeinsam ist eine große Stärke. Beide Richtungen verkörpern meinen Charakter.

16) Welche Bücher magst Du und was hältst Du von Gedichten? Sorry, die Frage stell ich jeder/jedem :-/
Erklärt Pereira, die Bücher von Haruki Murakami, Margaret Atwood, Walter Moers

17) Wenn Du nur ein bis fünf Worte sagen dürftest: wie würdest Du Dich selbst beschreiben?
bunt, expressiv, leidenschaftlich, mutig und zielstrebig

18) Schlussfrage, die stell ich auch jedem: Welches Zitat gefällt Dir
besonders gut, welche Idee oder welcher Aphorismus? Was ist Dein
Lebensmotto?

Alles oder nichts

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