Stein und Design

Naturstein
Meditation über ein Medium

 

Stein war unser erstes Werkzeug.
Einen Stein in die Hand zu nehmen, war der erste Schritt zur Macht.

Er war die erste Fernwaffe, der unseren Schlag zehn Meter vor die direkte Begegnung verlagerte. Das war es, was der Wolf, der Puma und der Bär nicht konnten.
Stein war das Material, das uns Macht über die anderen Stoffe gab: seine Kante schnitt Bäume, seine Fläche zerrieb unverdauliche Körner zu verdaulichem Mehl. Und er gab uns das Feuer.
Stein war das erste Messer, und an einem Speer befestigt, war er eine Kralle, die auch einen noch so gut bewaffneten Berglöwen auf Distanz halten konnte.

 

Aus Stein gefertigte Werkzeuge stehen am Beginn der menschlichen Kultur, und tatsächlich ist die „Steinzeit“ die erste Epoche, die Anthropologen definieren. Wann wir intelligent wurden, wird daran gemessen, auf wann die ersten Bearbeitungsspuren an Steinen zu datieren sind.
Viele der Werkzeuge, die wir damals bauten, begleiten uns in nahezu unveränderter Form bis heute.

Steinäxte bauten die ersten Flöße und Boote, mit denen wir Flüsse überqueren und zum Angeln auf Seen fahren konnten – und wir führten Steine mit, um auch auf dem Meer oder jenseits des Meeres Feuer zu haben.

 

Später lernten wir, Häuser aus Stein zu bauen, und ihre großartige Festigkeit und Sicherheit zeigt uns nicht nur das Märchen, sondern auch das Themenvideo zum Hurrican, in dem wir sehen, wie prachtvolle Häuser aus Holz – sehr verbreitet in den USA, zum Beispiel – als armselige Bretterbuden durch die Luft gewirbelt oder in Splitterhaufen verwandelt werden.


Auch unsere ersten Kunstwerke waren aus Stein. Als wir Steine aufeinanderzuschichten und aufzustellen lernten, begann unsere Beziehung zur Zeit. Stonehenge und die Pyramiden melden sind bis heute sichtbare, starke Signale aus der Vergangenheit, mit einer Beständigkeit, der nichts gleichkommt, was uns Menschen des digitalen Zeitalters so sehr umtreibt. Steine sind unser Sieg über das Vergängliche.
Früh schrieben wir mit Kreide auf Schiefertafeln, die sich nicht verbrauchten und immer wieder neu benutzbar waren. Die Schiefertafel begleitete die Menschheit bis ins 20. Jahrhundert. Die erste öffentlich zugängliche Gesetzessammlung der Geschichte – die Zwölftafelgesetze Roms – wurden in Stein gemeißelt, was auch jetzt noch die übliche Redewendung ist, um zu sagen, dass etwas ewig wahr bleibt.
Steinhart. Fels in der Brandung. Gegen etwas „mauern“. Der Grundstein einer Argumentation – wohin wir auch schauen, Stein ist in unserer Sprache, in unserem Bewusstsein, um uns herum, uns zu Füßen. Ehrfürchtig schaudern wir auf dem Berggipfel, aber ebenso im tiefen Bergwerksschacht. Die Steinhöhle gab uns die erste sichere Wohnung, und auch heute vertrauen wir, ob es vernünftig ist oder nicht, Stein mehr als jedem anderen Schutzmaterial, wenn wir verbrauchte Brennstäbe und Plutoniumfässer in Bergwerken versenken.
Durch alle Zeitalter ist das begehrteste Geschenk der Liebe ein besonderer Stein; und Kristalle und Quarze sind bis ins Computerzeitalter allgegenwärtig, wo Menschen sie sich als Schmuck oder abergläubischen Schutz vor den Bildschirm legen. Steinheiler sind dann nicht weit. Die ungeheuerliche Festigkeit dieses natürlichen Werkstoffes und seine erstaunlichen Fähigkeiten sind so universell, dass sie eben auch unsere Fantasie beflügeln.

Und wir entdecken Stein ständig neu. Fußbodenheizungen begeistern uns, Grillen auf dem heißen Stein ist in edlen Restaurants en vogue, und Naturschiefer als Fußbodenbelag im Eigenheim ist das Lebensglück der Barfußgeher.
Die wichtigsten Monumente der Menschheit sind aus Stein und überdauern, wie etwa die Pyramiden, Jahrtausende durch ihre schiere Masse. Die chinesische Mauer definierte ein Weltreich; und am Ende jedes Lebens wird als Schlußpunkt ein – Stein gesetzt, um all das zu symbolisieren, was der Mensch einmal war und bedeutete.
Von Hand bearbeiteter Stein ist ein mächtiges Symbol der Ewigkeit und Unvergänglichkeit. Im Zeitalter schwimmender Inseln aus Plastikmüll und des andauernden Wegwerfens bietet er all das, was die Plastiklawinen der Großkonzerne nicht verkaufen können: das Echte, Starke und Originale. Falls Sie meinen, das gäbe es nicht mehr: O doch. Ravensburg, meine Lieblingsstadt, ist die Heimat einer einmaligen Steinmetz-Firma, die Design-Artikel aus Naturstein herstellt. Die Firma setzt ganz auf einheimische Eigenleistung und stellt sogar viele ihrer Werkzeuge – in Kooperation mit einem Ravensburger Zerspanungsbetrieb, der Firma CNC Wick in Ravensburg – selbst her.

Die Wirkung, die das Wohndesign dieser Steinmetzfirma erzeugt, ist ganz erstaunlich. Man muss dort gewesen sein, am steinernen Schreibtisch des Firmenchefs gesessen haben und eine der seltsam schweren, aber leicht geformten, in Ravensburger Handarbeit gefertigten Steinschalen in der Hand gehabt haben, um zu erfassen – wortwörtlich – was Stein bedeuten kann. Die Kombination aus geschwungener Form und der starren Schwere des Materials gibt eine Gediegenheit und eine Stilsicherheit, die keine chinesische Spritzguss-Lösung jemals erreichen kann.
Originell ist es auch: Platzkärtchenhalter aus Stein oder granitene Visitenkartenhalter spielen mit dem Kontrast zwischen leicht und schwer, bleibend und vergänglich.
Ein steinerner Kerzenhalter oder ein Windlicht aus Stein sind nicht nur praktisch (weil standfest und gut zum Beschweren einer Tischdecke auf der windigen Terrasse), sie symbolisieren auch, dass das Haus, das sich damit schmückt, sicher ist. Langlebig. Verlässlich. Sie symbolisieren, dass das Nomadentum ein Ende gefunden hat und jemand angekommen ist.
Stil ist nicht nur eine Frage des Aussehens. Stil geht tiefer. Er ist ein Konzept, das das Material, die Herkunft und den Charakter des Objektes wie des Menschen definiert. Stil ist, und ich verstehe es jetzt im Moment des Hinschreibens, wie wahr mir das vorkommt – Stil ist Qualität.

(ts)

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